Bioethanol Glossar A bis B

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Abfindungsbrennereien

sind nicht verschlußsicher eingerichtete Brennereien, bei denen der erzeugte Branntwein nicht unmittelbar erfasst, sondern aus Rohstoffmenge, -art und dem geltenden Ausbeutesatz errechnet wird. A. dürfen jährlich nur 300 l Alkohol herstellen, Obstabfindungsbrennereien sogar nur 50 l. In Deutschland gibt es ca. 32.600 A., die überwiegend in den Hauptobstanbaugebieten liegen (Baden-Württemberg, Pfalz, Franken, Rheinland).

Abgase

Auspuffgase von Verbrennungsmotoren. Bei benzingetriebenen Kraftfahrzeugen insbesondere Kohlenmonoxid (CO), unverbrannte Treibstoffbestandteile (engl.: unburned fuel) in Form von Kohlenwasserstoffen (CH-Stoffe), Stickoxide (NOx), sowie die vollständig oxidierten Endprodukte jeder Verbrennung Kohlendioxid (CO2) und Wasserdampf. Bei Dieselfahrzeugen außerdem Ruß. » Emissionen

Abgas-Rückführ-Rate (AGR)

wird beim Verbrennungsmotor zur Einstellung der Temperatur im Brennraum eingesetzt, um die » NOx-Emissionen zu kontrollieren.

Abmagerung(-seffekte)   

Änderung des Benzin-Luftverhältnisses (C : O2) durch Beimischung sauerstoffhaltiger Komponenten wie Alkohole oder Ether zum Benzin. Hierdurch bessere Verbrennung des Benzin-Luftgemisches mit der Folge geringerer CO- und HC-Abgase.

Abschnittsbrennereien   

sind Obstbrennereien, die ihre Gesamterzeugung in einem Zehn-Jahres-Zeitraum beliebig auf die einzelnen Betriebsjahre verteilen dürfen.

Absoluter Alkohol   

praktisch wasserfreies Ethanol mit mind. 99,8 %vol Ethanol für technische Zwecke (z.B. Beimischung zum Benzin). Gewinnung durch » Absolutierung

Absolutierung   

Entwässerung von Alkohol-Wasser-Gemisch mit max. 97,2 %vol (entspricht 95,57 %mas » azeotropes Gemisch) bis auf 99,8 %vol Ethanol. Absolutierung ist nicht mit einfacher » Destillation oder » Rektifikation möglich, sondern erst nach Zusatz sog. Schleppmittel (z.B. Benzol, Benzin oder Cyclohexan) oder wasserentziehen-der Substanzen wie z.B. Branntkalk.

Acetaldehyd   

chemische Formel CH3CHO entsteht als Zwischenprodukt bei der alkoholischen Gärung und wird durch Wasserstoffanlagerung (Hydrierung) in Ethylalkohol überführt. Dieser Prozeß verläuft auch umkehrt durch Oxidation (Dehydrierung). A. ist eine stechend riechende Flüssigkeit, die bei der Reinigung des Rohbranntweines möglichst restlos abgeschieden werden muß. Bereits geringe Spuren bedingen einen scharfen und harten Geschmack des Kornbrandes. » Aldehyde

Acrolein   

chemische Formel CH2 = CH CHO, ist ein ungesättigter Aldehyd mit einem stechenden, zu Tränen reizenden, die Schleimhäute angreifenden Geruch und einen brennenden meerrettichähnlichen Geschmack.

Additive   

Zusatz- oder Wirkstoffe für Kraftstoffe, die bestimmte erwünschte Eigenschaften verstärken (z.B. Erhöhung der » Klopffestigkeit oder Winterfestigkeit) und/oder unerwünschte Eigenschaften reduzieren (z.B. schädliche Abgase).

Aerobe Gärung   

enzymatische Spaltung und Umwandlung stickstofffreier organischer Stoffe, vorzugsweise Kohlenhydrate, mit Hilfe von Bakterien, Hefen und Schimmelpilzen unter Zufuhr von Sauerstoff.

Äthylalkohol

» Ethylalkohol

Äthylen

» Ethylen

Agraralkohol

auch Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs. Hochprozentiger Alkohol (Ethanol), der durch Alkoholische Gärung von in der Landwirtschaft erzeugten zucker- oder stärkehaltigen Rohstoffen wie Obst, Getreide, Zuckerrüben, Zuckerrohr oder Kartoffeln und anschließendes Brennen der Maische gewonnen wurde. Dieser A. wird in Deutschland von der Bundesmonopolverwaltung für Branntwein gereinigt und kann, nun als Neutralalkohol oder auch Primasprit bezeichnet, für Arznei- und Lebensmittel verwendet werden. Synthetisch aus dem Erdölderivat Ethen hergestellter Alkohol sowie Alkohol aus nichtlandwirtschaftlichen Rohstoffen (bsp. Cellulose-Ethanol) darf dafür nicht verwendet werden. Im Gegensatz zu Spirituosen wie Korn- und Obstbränden ist A. geschmacks- und geruchsneutral und besitzt keine sensorischen Eigenschaften der Ausgangsprodukte.

Aldehyde

Oxidationsprodukte der zugehörigen Alkohole, z.B. Acetaldehyd (CH3-CHO) von » Ethylalkohol (Alkohol, Ethanol), Form¬aldehyd (HCHO) von » Methanol. Acetaldehyd ist Zwischen- und Be-gleitprodukt der alkoholischen Gärung.

Alkohol   

» Ethylalkohol

Alkoholbeimischung    

Ethanolbeimischungen (zu Benzin) unterschiedlicher Stärke sind üblich (z.B. 20 % und 85 % in Brasilien; 10 % und 85 % in den USA). In Deutschland sind nach der Norm DIN EN 228 Ethanolbeimischungen von entweder 5 % (bzw. 15 % ETBE) oder nach dem workshop agreement CWA 15293:2005 (E) von 85% zulässig.

Alkohole   

Sammelbegriff für bestimmte organische Verbindungen mit dem Kennzeichen einer OH-Gruppe. Bezeichnet nach den Kohlenwasserstoffen, von denen sie sich ableiten. Z.B. Methanol von Methan (CH4), Ethanol von Ethan (C2H6), Propanol von Propan, Butanol von Butan usw.

Alkoholische Gärung   

Umwandlung von Zucker oder Stärke (letztere nach Verzuckerung) mittels Backhefe oder anderen Mikroorganismen bzw. Enzymen nach der Formel 1 Molekül Glukose => 2 Moleküle Ethylalkohol + 2 Moleküle Kohlendioxid + Wärme (C6H12O6 => 2C2H5OH + 2CO2). Aus 100 g Glucose können theoretisch 51,14 g (64,39 ml) Ethylalkohol gebildet werden. Summarische Gleichung des französischen Chemikers L. Gay-Lussac vereinfacht einen komplizierten Prozeß, der in Wirklichkeit zwölf Stufen durchläuft.

Alkoholkraftstoffe   

» Methanol (M) und » Ethanol (E) als Benzinkomponenten (» ETBE, » MTBE), als Reinkraftstoffe (E 85) anstelle von Benzin oder als sog. » Blendings in Form von Benzin-Alkohol-Mischungen (z.B. besteht E 5 zu 5 % aus Ethanol und zu 95 % aus Benzin).

Alkoholsorten(-qualitäten) für Kraftstoffzwecke:

Es eignen sich nur Qualitäten mit mind. 96/97,2 %vol Alkohol („nicht-entwässerter Alkohol“). Zur Benzinbeimischung wird in der Regel » absoluter Alkohol (mind. 99,7 % vol Alkohol) gefordert.

Alkoholsynthese   

Umwandlung von » Ethylen bei hohem Druck und hoher Temperatur mittels Katalysator zu Ethanol (C2H4 + H20 => C2H5OH). Auch Karbidsprit oder Nebenprodukte der synthetischen Benzinerzeugung. Um fossiles Syntheseethanol und pflanzliches Bioethanol unterscheiden zu können, werden Begleitsubstanzen und vor allem der 14C-Gehalt bestimmt. Letzterer wird auch Radiokohlenstoffdatierung oder Radiokarbonmethode genannt und ist eine Methode zur Altersbestimmung kohlenstoffhaltiger organischer Materialien aufgrund des radioaktiven Zerfalls des Kohlenstoff-Isotops 14C. Siehe auch » Synthesealkohol.

Alternative Kraftstoffe   

Als alternative Kraftstoffe werden alle Kraftstoffe bezeichnet, die nicht fossilen Ursprungs sind (z.B. Ethanol, Pflanzenöl, Biodiesel, Biogas, Flüssiggas, Wasserstoff). Im Vergleich mit konventionellen Kraftstoffen beweisen alternative Kraftstoffe eine bessere » Umweltbilanz.

Amylopektin   

Hüllsubstanz der » Stärke mit chemisch gebundener Phosphorsäure. Verkleistert bei Zugabe von heißem Wasser unter Wasseraufnahme und quillt gallertartig auf. Stark verzweigtes Poly-saccharid aus Glucosemolekülen (sog. B- oder Sekundarstärke). Violettfärbung mit Jod. Anteil erreicht 40-80 % des gesamten Stärkekorns. Zur Ethanolgewinnung geeignet.

Amylose   

eigentliche » Stärke, Polysaccharid aus nicht verzweigten Ketten von Glucosemolekülen. In heißem Wasser nicht verkleisternd und leicht löslich. Reine Blaufärbung mit Jodlösung. Vollständige Verzuckerung durch Maltoseamylase zu Maltose oder durch Säuren und Glucoamylasen(-oxidasen) zu Glucose.

Anaerobe Gärung   

enzymatische Spaltung und Umwandlung stickstofffreier organischer Stoffe, vorzugsweise Kohlenhydrate, mit Hilfe von Bakterien, Hefen und Schimmelpilzen ohne Sauerstoffzufuhr

Aräometer   

aus Glas hergestellte Senkwaage, die auf dem Archimedischen Prinzip beruht. Saccharometer sind A. zur Bestimmung des Extraktgehaltes, Alkoholmeter dienen zur Bestimmung des Alkoholgehaltes in reinen Alkohol-Wasser-Mischungen.

Aromaten   

» PAH. Kurzbezeichnung für polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, z.B. Benzol, Toluol. Insgesamt sind über 100.000 Aromaten bekannt, das sind ca. 1/3 aller bekannten organischen Verbindungen. Wegen hohen Heizwertes und guter Klopffestigkeit wertvolle Mischkomponenten für Benzin. Nachteilig ist hohe Giftigkeit - z.B. krebserzeugende Wirkung von Benzol und Benzo(a)pyren. Siehe auch » Photooxydantien.

Aufschluss   

erster Schritt bei der Verarbeitung von stärkehaltigen Rohstoffen. Er löst und verflüssigt die » Stärke und ermöglicht so den nächsten Verfahrensschritt, die Verzuckerung. A. erfolgt thermisch (Dämpfung) und/oder enzymatisch. Druckloser Stärkeaufschluss.

Ausbeute   

gibt an, wie viel Liter Ethanol aus 100 kg Rohstoff gewonnen werden. Die theoretische Ausbeute von Stärke liegt bei 72,0 l/100kg, von Malz- oder Rohrzucker bei 68,2 l/100 kg und von Glucose, Fructose bei 64,8 l/100 kg. In der Praxis erreichen außerordentlich gute Brennereien eine Ausbeute von über 68,4 l/100 kg.

Azeotropes Gemisch   

Mischung von zwei oder mehr verschiedenen Flüssigkeiten, deren Siedepunkt niedriger liegt als die Siede¬punkte der Bestandteile und die sich deshalb durch normale Destillation nicht trennen lassen. Azeotrop = durch Sieden nicht zu trennen. Typisches Beispiel ist Ethanol-Wassergemisch mit 97,2 % vol bzw. 95,57 % mas. Alkoholgehalt, das wie ein einheitlicher Stoff schon bei 78,15°C siedet ohne sich weiter zu konzentrieren, wohingegen reiner Alkohol erst bei 78,39°C und Wasser bei 100°C siedet. Trennung nur durch » Absolutierung möglich.

Backhefe    

(Presshefe) Saccharomyces cerevisiae, meistverwendete Mikroorganismen für die » alkoholische Gärung.

Bagasse   

Rückstand der zerkleinerten und entzuckerten Zuckerrohrstängel mit 48-54 % Trockensubstanzgehalt. Nutzung im Anbaugebiet vornehmlich als Brennmaterial in der Zuckerfabrik und Brennerei, nach (thermischem) Aufschluss auch als Viehfutter, des Weiteren zur Herstellung von Zellstoff, Papier, Karton, Pappe, Faser- und Spanplatten, Furfural oder zur Bodenverbesserung. Auch der Rückstand der Zuckerhirse-Entzuckerung wird als Bagasse bezeichnet.

Barrel   

Abkürzung b oder bbl (british barrel), engl.: Fass. Gebräuchliches Volumenmaß für Erdöl = rd. 159 l. Preisfestlegung aller gebräuchlichen Ölsorten erfolgt in US-$/b. Umrechnung in Gewicht wegen stark streuender Dichte der verschiedenen Rohöllieferungen nur annähernd wie folgt möglich: 1 b = 136 kg, 1 t = 7,33 b.

BBPro   

Biokraftstoffe-Brandenburg. Kooperationsnetzwerk zur Stärkung der Biokraftstoff-Branche, unterstützt durch die Landesregierung Brandenburg. www.biokraftstoffe-brandenburg.de

Benzin   

Sammelbegriff für Kohlenwasserstoffe des Rohöls, die zwischen 35 und 210°C sieden. Näheres siehe unter » Benzinsorten.

Benzindichte   

Durchschnittswert der Motorenbenzine 0,75 g pro ml.

Benzinsorten   

Unterschieden werden: 1. Motorenbenzin (Otto- oder Vergaserkraftstoff) in unterschiedlichen Qualitäten (Super-, Normal-), (seit 2000 nur noch unverbleit), 2. Rohbenzin (Naphtha), zur Verwendung als petrochemischer Rohstoff, 3. Flugzeugbenzine verschiedener Art, 4. Spezial- und Testbenzine für Lösungs- und Extraktionsmittel.

Benzol   

zu den » Aromaten gehörender Kohlenwasserstoff. Steigert die » Klopffestigkeit des Benzins.

BImSchG   

Bundes-Immissionsschutzgesetz

Bioäthanol   

veralterte Schreibweise für » Bioethanol

Biodiesel   

» RME; » FAME. Biodiesel gehört als » alternativer Kraftstoff zu den » erneuerbaren Energien, wird aus Pflanzenöl (in Deutschland meist Raps) hergestellt, dass durch » Umesterung aufbereitet wird. Chemisch handelt es sich um Fettsäuremethylester (FAME) oder Rapsmethylester (RME). Es gilt die europäische Norm EN14214, die u.a. Grenzwerte für die Dichte, » Viskosität (Zähflüssigkeit), chemische Zusammensetzung und den Flammpunkt des Biodiesels definiert.

Bioethanol   

Ethylalkohol (Ethanol) aus agrarischer Biomasse, der vornehmlich als nachwachsender Energieträger und Kraftstoffadditiv bestimmt ist (vergl. » Alkoholkraftstoffe).
    Steckbrief:
    Form: flüssig
    Farbe: farblos
    Geruch: alkoholartig
    Formel: C2H5OH
    Schmelzpunkt: -114,5 °C
    Siedepunkt: 78 °C
    Flammpunkt: 12 °C
    Zündtemperatur: 425 °C, nicht selbstentzündlich
    Explosionsgefahr: Bioethanol ist nicht explosionsgefährlich, aber die Bildung explosionsgefährlicher Dampf-/Luftgemische ist möglich.
    Untere Explosionsgrenze: ab 3,5 %vol
    Obere Explosionsgrenze: bis 15 %vol
    Dampfdruck: bei 20 °C 58,7 hPa
    Heizwert: 26,8 MJ/kg bzw. 21,17 MJ/l
    Dichte: 0,79 g / ml bei 20 °C
    Löslichkeit: mit Wasser vollständig mischbar
    Viskosität: dynamisch, 1,5 mm²/s bei 20 °C
    Cetanzahl: 8
    Oktanzahl (ROZ): > 100
    Kraftstoffäquivalenz: 1 l Bioethanol ersetzt ca. 0,65 l Benzin
    Norm: DIN EN 15376 für reines Bioethanol; Beimischung zu Ottokraftstoff gemäß der Norm DIN EN 228 (max. 5 %vol Bioethanol bzw. max. 15 %vol ETBE)

Biogas   

methanhaltiges Gasgemisch, das durch anaerobe Gärung (Ausfaulen) von organischen Rest- und Abfallstoffen (z.B. Schlempe, Zuckerfabrikabwässer, Gülle aus Tierhaltungen) bei Temperaturen um 35-55°C gebildet und als Heizgas verwendet wird. Zusammensetzung und Heizwert je nach Substrat unterschiedlich. Durchschnittswerte: Methangehalt 60 %, Heizwert 23 MJ/Nm³. 1 m³ entspricht Heizwert von 1,09 l Ethanol oder von 0,63 l Heizöl EL. Eine Großvieheinheit (GV = 500 kg Lebendgewicht) liefert pro Tag ca. 1,5-1,6 m³ Biogas ~ 1 l Heizöl. Die Biogasgewinnung kennzeichnet eine umweltfreundliche Kreislaufwirtschaft, weil die organisch belasteten Abwässer - z.B. Schlempe bei Bioethanolgewinnung - unter gleichzeitiger Energiegewinnung gereinigt werden, ehe sie nach restloser Klärung in Vorfluter abgeleitet werden. Das gewonnene Biogas kann wesentlich zur Deckung des Energiebedarfes der Bioethanolgewinnung beitragen.

Biokatalysator   

moderne Bezeichnung für Enzyme und enzymbildende Mikroorganismen, die biochemische Reaktionen in Gang setzen bzw. beschleunigen. Die bei der Bioethanolgewinnung zur Stärkeverzuckerung und » alkoholischen Gärung erforderlichen Enzyme sind mikrobieller Herkunft und werden entweder von » Backhefe gebildet oder als isolierte Handelspräparate eingesetzt.

Biokraftstoffe   

aus Biomasse gewonnene Kraftstoffe. Bioethanol, Biodiesel, Biogas, Pflanzenöl. Als Biokraftstoffe der sog. 2. Generation (z.B. » BtL, » Sunfuel) werden umgangssprachlich Kraftstoffe bezeichnet, die aus allen Bestandteilen einer Pflanze, insbesondere » Lignozellulose, hergestellt werden. Die Unterscheidung zwischen Biokraftstoffen der 1. und 2. Generation ist unscharf. Auch bei der Herstellung von Bioethanol können die anderen Pflanzenbestandteile als z. B. Stärke energetisch u. A. für die Erzeugung von Prozessenergie genutzt werden. Biokraftstoffe der 2. Generation sind bei einem Verhältnis verwendeter Biomasse und gewonnener Biokraftstoff von 5:1 energetisch aufwendig herzustellen.

Blending   

engl. für Mischung. Herstellung von Kraftstoffen durch Mischung von Komponenten. Als Benzin-Alkohol-Mischung z.B. besteht » E5 zu 5 % aus Ethanol und zu 95 % aus Benzin. Siehe auch » E10; »E85. Auch die Beimischung von » Additiven wird als Blending bezeichnet.

Branntwein   

Bezeichnung für durch Destillation gewonnenen Alkohol. unscharfer Begriff für » Ethylalkohol. Im Sinne des Branntweinmonopolgesetzes ist B. jeder Ethylalkohol, für den keine anderen Bestimmungen, z.B. Weingesetz, Biersteuergesetz, gelten. Im Sprachgebrauch wird unterschieden zwischen (geschmacks)neutralem Alkohol und "Branntweinen" mit deutlich wahrnehmbaren Geschmacks- und Geruchsmerkmalen. Mindestalkoholgehalt für B. beträgt 37,5 %vol, wohingegen Brandy und Weinbrand nur mindestens 36 %vol aufweisen müssen.

Branntweinmonopolgesetz   

Die Bundesmonopolverwaltung für Branntwein (BfB) besteht seit 1919. Ziel war und ist es, den zum größten Teil kleinen und mittelständischen Brennereien die Abnahme des Alkohols zu einem die durchschnittlichen Selbstkosten deckendes Branntweinübernahmegeld zu sichern. Da diese höher als der Weltmarktpreis für Alkohol sind, wird die Bundesmonopolverwaltung durch Subventionen gestützt. Kern des Branntweinmonopols ist das so genannte » Brennrecht als Kontingent. Die Brennerei ist je nach Brennrecht (optional) berechtigt und verpflichtet, den Alkohol an die Bundesmonopolverwaltung abzuliefern. Für die Herstellung von Bioethanol sind Brennereien von der Ablieferungspflicht befreit und können mengenmäßig unbegrenzt Alkohol herstellen und vermarkten.

Branntweinsteuer   

Die Branntweinsteuer ist die durch das » Branntweinmonopolgesetz geregelte Verbrauchssteuer, deren Aufkommen vollständig dem Bund zusteht und die vom Zoll verwaltet wird. Nach dem Branntweinsteuerrecht unterliegen Branntwein und branntweinhaltige Waren der Branntweinsteuer. Die steuerrechtliche Definition von Branntwein wird anhand der sog. Kombinierten Nomenklatur vorgenommen. Die Bandbreite der Produkte ist nahezu unbegrenzt und reicht von Trinkalkoholen wie Obstbranntwein, Wodka, Whisky oder Korn über Lebensmittelaromen und Kosmetikprodukten bis hin zu Alkoholgemischen (z.B. Mosstanol, Ethasol und ähnliche Gemische aus Ethylakohol und Isopropanol), die beispielsweise bei petrochemischen Prozessen zwangsweise anfallen. Die Bemessungsgrundlage ist die im Erzeugnis enthaltene reine Alkoholmenge (r. A.), die bei einer Temperatur von +20 °C ermittelt wird. Der Regelsteuersatz beträgt 1.303 € pro hl Alkohol; für » Abfindungsbrenner/Stoffbesitzer 1.022 € und für » Verschlussbrennereien 730 €. Die gewerbliche Weiterverwertung als Kraftstoff ist steuerbefreit.

Brennerei

Hersteller von Ethylalkohol = Branntwein i. S. des Branntweinmonopolgesetzes. Zu unterscheiden sind » Verschluss- und » Abfindungsbrennereien. Erstere sind zollamtlich gesichert, d.h. der erzeugte Alkohol wird über geeichte Sammelgefäße oder Messuhren vollständig amtlich erfasst. Etwa 5 % der deutschen Brennereien sind Abfindungsbrennereien, die so klein sind, dass ihre Erzeugungsmenge nur anhand von rohstoffbezogenen Ausbeutesätzen geschätzt wird. Zusätzlich gibt es noch Obsterzeuger in bestimmten Regionen, die kein eigenes Brenngerät besitzen (sog. Stoffbesitzer). Sie nutzen fremde Brenngeräte und können zu etwa den gleichen Bedingungen wie Abfindungsbrenner Alkohol herstellen und an die BfB abliefern.

Brennrecht   

regelmäßiges Jahresbrennrecht der » Brennereien in hl r. A., das je nach Verbrauch durch die Bundesmonopolverwaltung erhöht oder gekürzt werden kann.
Brennstoffzelle   
Die ursprünglich für die Raumfahrt entwickelte Brennstoffzelle wandelt Wasserstoff in Strom um. In der B. wird die chemische Reaktionsenergie des Wasserstoffs als kontinuierlich zugeführter Brennstoff und des Sauerstoffs als Oxidationsmittel in elektrische Energie umwandelt. Der Prozess läuft kontrolliert ab, in dem die Gase, die durch Elektrolyten voneinander getrennt sind, über einen elektrischen Leiter Elektronen austauschen. Abfallprodukt ist reines Wasser. Brennstoffzellen können mittels eines vorgeschalteten Konverters auch den in Ethanol, Methanol, Erdgas oder Benzin enthaltenen Wasserstoff als Brennstoff nutzen.

Brennspiritus  

Minderwertiges Ethanol mit mind. 94 Vol. %., wird durch chemische Synthese oder alkoholische Gärung hergestellt und durch Zugabe eines Vergällungsmittel ungenießbar gemacht. Da bei der Herstellung Methanol nicht abgetrennt wird, entwickelt B. beim Verdampfen oder Verbrennen einen unangenehmen Geruch. 

BSB-Wert   

Abkürzung für "biochemischer Sauerstoffbedarf (des Abwassers) in 5 Tagen". Maßstab der Schmutzlast des Abwassers. Gibt die Sauerstoffmenge in mg an, die von 1 l Abwasser in 5 Tagen zum (biologischen) Abbau der Schmutzfracht verbraucht wird. Siehe auch » CSB-Wert.

BtL „Biomass to Liquid“   

» alternativer Kraftstoff der 2. Generation, aus Biomasse hergestellt. Kann als Reinkraftstoff oder in Form von Beimischungen verwendet werden. Es gibt verschiedene Verfahren zur Gewinnung eines flüssigen Kraftstoffs aus Biomasse. Meist wird in einem zweistufigen Verfahren zuerst durch Biomassevergasung ein Synthesegas erzeugt, welches in einem weiteren Prozess verflüssigt wird. Die Firma Choren Industries stellt ihr Produkt » SunFuel mittels Carbo-V-Verfahren und Fischer-Tropsch (FT)-Synthese her. Dabei reagieren die reaktiven Bestandteile des Synthesegases (CO und H2) an einem Katalysator zu Kohlenwasserstoffen. Um die Dieselausbeute (SunDiesel) zu maximieren, werden die bei der FT-Synthese anfallenden Wachse mittels » Hydrocracking weiter verarbeitet. Dieses Verfahren stammt aus der Petrochemie und wird zur Verwertung von Raffinerierückständen eingesetzt.

Bundesmonopolverwaltung für Branntwein (BfB, BMonV)   

verwaltet das Branntweinmonopol im Bundesgebiet im Rahmen der Bundesfinanzverwaltung. Sie ist eine Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Finanzen und hat ihren Sitz in Offenbach am Main. Ihre Hauptaufgaben sind die Übernahme, Reinigung und Vermarktung des in deutschen Brennereien hergestellten Agraralkohols.

Butan   

Bei Benzinherstellung verwendetes preisgünstiges Gas mit guter Klopffestigkeit. Muss bei Erhöhung des » Dampfdruckes des Gemisches reduziert werden. B. kommt zusammen mit Iso-Butan, Butadien und den Butenen als sogenannte C4-Fraktion in Erdöl-Crackgasen und im Erdgas vor. B. ist farb- und geruchlos, in Wasser wenig löslich, in Alkohol und Äther leicht löslich.

Butanol (Butylalkohol)   

"höherer Alkohol", Bestandteil der Fuselöle des Ethylalkohols. Kann zusammen mit Aceton durch » anaerobe Gärung mittels Bakterien (Clostridien) aus Melasse, Mais etc. gewonnen werden. Bestimmte Isomere (» Tertiärbutylalkohol = TBA) dienen als Lösungsmittel für Benzinkomponenten.

 

 

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